Der Tod und die Reflexion des eigenen Lebens

Der Tod und Reflexionen über das LebenSterben? Ist das nicht was für alte Leute? Natürlich weiß ich, dass auch jüngere Menschen, selbst Babies, sterben, rein statistisch gesehen. Als ich am Donnerstag gedankenverloren durch meinen facebook feed scrollte fand ich die Todesanzeige eines Klassenkameraden. Das traf mich, das ganz anders als eine Statistik es kann. Das Gefühl der Betroffenheit begleitet mich auch heute noch, obwohl ich weder früher noch heute mit dem jungen Mann befreundet war, der bei einem Unfall ums Leben kam. Ich habe Mitgefühl für seine Familie, seine Freunde. Denke darüber nach, wie es ihnen geht. Wie es mir in einer solchen Situation ginge. Warum so etwas passiert.

Bedenke, dass Du sterblich bist

Und, wie sollte es anders sein, schnell die Reflexion über mein eigenes Leben. Lebe ich es so, wie ich möchte? Lebe ich entsprechend meiner Ziele und Ideale und geniesse gleichzeitig jeden Moment in vollen Zügen?  Würde ich etwas anders machen, wenn ich wüsste, dass ich morgen/nächste Woche/nächstes Jahr sterbe?
Wie so oft bei mir ist die Antwort bei mir Ja und Nein. Im Großen und Ganzen bin ich glücklich und dankbar für mein Leben, so wie es jetzt gerade ist. Im Alltäglichen hadere oft mit meinen Gedanken, meinen Handlungen, und mit dem Gefühl, ‚besser‘ sein zu müssen.

Können wir überhaupt jeden Tag so leben, als wäre er unser Letzter? Darüber schrieb Pia neulich auf ihrem Blog malmini und auch Maria schrieb ihre Gedanken zu dem Thema auf.
Auch hier ist meine Antwort Ja und Nein. Wir können heute tun, was heute wichtig ist. Dabei bewegen wir uns in dem Spannungsfeld zwischen dem Genuss des Augenblicks und den Zielen, die wir uns langfristig gesetzt haben. „Das Gegenteil einer Wahrheit ist auch häufig wahr“ schreibt Gretchen Rubin in dem Buch Happiness Project (frei und aus der Erinnerung übersetzt).

Manchmal gibt es diesen Widerspruch, vor allem, wenn man gern Sahnetorte isst. Oft können wir aber gleichzeitig auf unsere Ziele hin arbeiten und den Moment geniessen. Eines meiner langfristigen Ziele ist es, Beziehungen zu Familie und Freunden zu pflegen. Meine Zuneigung kann ich in jedem Moment zeigen, kann eine Karte schreiben oder eine kurze E-mail. Oder das Morgenritual mit meiner Tochter geniessen. Dann geht es, wie Maria schreibt, darum, Dinge nicht auf morgen aufzuschieben, also niemals zu tun, sondern heute.

Wie also leben im Angesicht des Todes?

  1. Einfacher: Ein einfacheres Leben bedeutet für mich, mehr Zeit mit dem zu verbringen, was mir Spass macht und meinem Leben Bedeutung verleiht und weniger mit dem, was mir keinen Spass macht. Besitz ist nicht so wichtig, auch, wie ich während meiner 100 Dinge Challenge merkte, nicht so wichtig, als dass ich Stunden um Stunden damit zubringen möchte, ihn loszuwerden. Im Moment geht es bei meiner Suche nach Einfachheit mehr um einen Geisteszustand als um meine Besitztümer. (1-In-1-Out gilt aber trotzdem)
  2. Größer: Mich nicht über Kleinigkeiten ärgern. Ärgerliches aus der Vogelperspektive sehen. Weniger persönlich nehmen. Andere handeln so, wie sie handeln, aus Eigeninteresse, nicht, um uns zu ärgern. Ausnahmen bestätigen die Regel, doch von solchen Menschen halte ich mich wenn es irgend geht ohnehin fern.
  3. Kleiner: Alltägliches geniessen und Augenblicke wahrnehmen. Nicht gerade meine Stärke.
  4. Konzentrierter: Ich will mir noch mehr über meine Prioritäten klar werden und vor allem mein Handeln stärker an meinen Prioritäten ausrichten. Ich „verschwende“ viel Zeit vor dem Netz. Ich glaube, ich verpasse etwas Wichtigeres (Schlaf, Aufmerksamkeit, Tiefe) durch sinnloses und stumpfsinniges Herumsurfen, v.a. weil das Internet mein größter Zeitfresser ist. Deshalb gehe ich das „reduzierte Internet“ gerade an.
  5. Achtsamer: Ich möchte mehr von dem tun, was mir Spaß macht und/oder mich meinen Zielen näher bringt. Nicht alles, was mir wichtig ist, macht mir immer Spaß , z.B. ausgewogene Mahlzeiten aus frischen Zutaten zubereiten finde ich manchmal echt müham. Da hilft es, im Blick zu behalten, dass ich meinem Körper und meiner Familie etwas Gutes tue. Und: die meisten Dinge werden erträglicher, wenn man sie aufmerksam tut (ÖPNV im Hochsommer zur Hauptstoßzeit ist eine Ausnahme).
  6. Zufriedener, mit mir selbst: Wenn ich morgen sterben kann, lohnt es sich noch, an mir ‚zu arbeiten‘? Na klar, aber nicht, wenn das bedeutet, mich selbst fertig zu machen. Ich möchte lernen und mich als Mensch weiter entwickeln. Und mich gleichzeitig so akzeptieren, wie ich bin. Klingt abgedroschen, ist aber ein richtiges Stück Arbeit.
  7. Glücklicher: Wusstest Du, dass viele Menschen auf dem Sterbebett bereuen, sich selbst versagt zu haben, glücklicher zu sein*? GlücklichSein ist eine Wahl, weitgehend unabhängig von äusseren Umständen. Daran muss ich mich ab und an erinnern.
  8. Liebevoller:  Eh klar.

*The Top Five Regrets of the Dying

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