Unser Morgenritual – ein gelassener Start in den Tag

Das Bücherkörbchen - wichtiger Bestandteil des Morgenrituals

Das Bücherkörbchen – wichtiger Bestandteil des Morgenrituals

Produktivitätsgurus schlagen vor, im Morgengrauen aufzustehen und an dem zu arbeiten, was uns im Leben wichtig ist. Persönliche Entwicklung, Meditation, Sport, über Goldfische bloggen, Modellflugzeuge bauen, etc. stehen auf dem Programm bevor die Welt erwacht. Die Logik dahinter ist, dass im Laufe des Tages a) sich die Wilenskraft aufbraucht und b) oftmals andere Menschen (Chef, Kunden, Kollegen, Familie etc) die Verwendung unserer Zeit mitbestimmen.

Wenn ich morgens um halb sechs von meiner Tochter geweckt werde schläft tatsächlich noch ein Großteil unserer Welt. Als Miss Bee scheinbar von einen Tag auf den Anderen ihre nächtliche Schlafenszeit um 1,5 Stunden verkürzte, versuchte ich eine Zeitlang (missmutig und erfolglos), sie zum Weiterschlafen zu bewegen. Ich ärgerte mich darüber, dass immer ich aufstand, um mich um sie zu kümmern, während Mr Handsome sich einfach noch einmal umdrehte. Später dachte ich immer wieder über diesen „albernen“ Vorschlag nach, früh aufzustehen, um Zeit für persönliche Prioritäten zu haben.

Eine Veränderung im Denken

Als ich eines Morgens schlechtgelaunt in meinem Kaffee rührte hatte ich plötzlich diesen (zugegeben von Außen betrachtet nicht gerade weltbewegengen) Gedanken: Was gibt es eigentlich im Moment Wichtigeres auf meiner Prioritätenliste als eine gute Beziehung zu meiner Tochter auf zu bauen und zu pflegen? Bis dahin hatte ich am Ende des Tages oft das Gefühl, Miss Bee nicht wirklich meine volle Aufmerksamkeit gewidmet zu haben. Unsere gemeinsame Zeit mit Hausarbeit und anderem Gedöns zu verbringen und nicht wirklich mit ihr. Ich begann, die Zeit am frühem Morgen bewusst zu gestalten und zu geniessen.

Unser Morgenritual

Miss Bee kommt am Morgen (wenn sie sich nicht bereits in der Nacht in unser Bett kriecht) in unser Schlafzimmer und weckt mich, indem sie etwas von meinem Nachtisch nimmt und mir damit im Gesicht rumfuchtelt oder mir meine Brille aufsetzt. Ich stehe auf und hole uns zwei Gläser Wasser aus der Küche. Sie geht in ‚ihr‘ Zimmer und knipst Nachttischlampe an. In ‚ihrem‘ Zimmer steht  auch das ‚Gästebett‘ in dem wir eine Weile kuscheln während ich langsam wach werde. Bis vor Kurzem wollte sie gleich gestillt werden, doch mittlerweile möchte sie oft lieber etwas Wasser trinken.

Sie leert ein Körbchen voller Bilderbücher, die ich alle zwei bis drei Tage austausche, auf dem Bett aus. Wir lesen die Geschichten und sprechen über die Bilder. Meist rede ich, doch mehr und mehr teilt sie mit, was sie sieht. Wenn wir alle Bücher aus dem Körbchen gelesen haben, singen wir singe ich ein Morgenlied bevor ich in die Küche gehe um das Frühstück vorzubereiten. Miss Bee weckt Papa und die Beiden spielen oder kuscheln, während ich einige ungestörte Minuten unter der Dusche habe. Mr Handsome steht meist auf, wenn ihm der Kaffeegeruch in die Nase steigt.

Warum wir durch das morgentliche Ritual gelassenere Tage haben

If life hands you a lemon, make lemonade. Anstatt mir zu wünschen, dass die Situation anders ist, als sie ist, akzeptiere ich sie. Ich lerne, gelassener mit dem umzugehen, was mir begegnet.
Ich geniesse die Zeit mit Miss Bee sehr und möchte sie nicht mehr missen. Mir ist bewusst geworden, wie kostbar diese Momente sind, denn wenn ich mit Eltern ältere Kinder spreche oder entsprechende Blogs lese wird klar, dass sie a) nicht ewig so früh aufstehen wird und b) noch weniger mit mir kuscheln möchte. Länger schlafen, oder an anderen Prioritäten arbeiten, kann ich in ein paar Jahren immer noch.

Der Start in den Tag gibt den Ton an. Morgens bin ich ganz präsent und während des Morgenrituals fällt es mir leichter als später, mich auf sie einzustimmen.Diese bewusstere Wahrnehmung hilft mir im Laufe des Tages geduldiger zu sein.

Gemeinsame Familienzeit – ganz langsam: Das frühe Aufstehen hat den Vorteil, dass unser Morgen sehr gemütlich stattfinden kann. Wir frühstücken zusammen, ziehen uns an und gehen entweder gemeinsam aus dem Haus oder ich mache noch ein wenig Hausarbeit, bevor Miss Bee und ich einkaufen, auf den Spielplatz oder zur Spielgruppe gehen. Da Mr Handsome oft lange arbeitet ist das Familienfrühstück in der Woche unsere einzige gemeinsame Mahlzeit, und ich geniesse es, Zeit dafür zu haben.

Ich „arbeite an meinem Lebensziel“: Ich habe tatsächlich das Gefühl, das Wichtigste auf meiner Prioritätenliste – bewusste Zeit mit meiner Tochter – schon „erledigt“ zu haben. Bevor wir dieses Ritual etablierten, hatte ich oft am Ende des Tages das Gefühl, durch den Tag gehetzt zu sein, geputzt, gekocht, geschleppt und Aktivitäten besucht zu haben, ohne meine Tochter wirklich gesehen zu haben. Heute habe ich das schon getan.

Ich liebe mein derzeitiges Morgenritual. Früher habe ich oft meinen Milchkaffee zubereitet und getrunken, während im Hintergrund Deutschlandradio lief und nach dem Frühstück ein bisschen Tagebuch geschrieben. Wie gestaltest Deinen/Euren Start in den Tag? Was könntest Du morgen machen, damit er Deinem Ideal näher käme?

Zen Habits Autor Leo Babauta steht übrigens um 4:30 auf. Wer sich das vorstellen kann, findet hier seine Tipps: 10 Benefits of Rising Early and How to Do It

 

Advertisements

8 Gedanken zu „Unser Morgenritual – ein gelassener Start in den Tag

  1. widerstandistzweckmaessig

    *träum* da schwelge ich gerade in Erinnerungen. Als meine Kinder noch Zwerge waren, sind sie am Wochenende immer in mein Bett gehüpft und wir haben zu dritt noch eine zeitlang weitergedöst und gekuschelt. Das hat manchmal echt lange gedauert und manchmal konnte ich sogar ein wenig einschlafen, wenn ich sehr müde war. So hat das WE gut begonnen!

    Anschließend durften sie gemeinsam in die Badewanne und haben sicher 2 Stunden vergnügt herumgespielt während ich den wöchentlichen Wohnungsputz erledigt habe.

    Wenn sie aus der Wanne heraußen waren, wurde das Badezimmer geputzt, was nach dem vielen Wasser, das es abbekommen hat, spielend einfach war.

    lg
    Maria

    Gefällt mir

    Antwort
      1. widerstandistzweckmaessig

        Hallo Dina!

        Nachdem meine Mutter leider viel zu früh verstorben ist, war die Zeit mit meinen kleinen Kindern die Zeit, wo sie mir am meisten gefehlt hat…

        Ich wäre so froh gewesen, wenn ich jemanden gehabt hätte, der mir mal die Perspektive verändert, wenn ich mich so festgebissen hatte.

        Danke für den lieben Kommentar, das freut mich ganz besonders.

        lg
        Maria

        Gefällt mir

  2. Tanja Heller

    Hehe! Die kleinen Weckmaschinen von früher kriegt man heute in den Ferien vor 13 Uhr nicht mehr aus dem Bett. 🙂 Und sie halten jede Party länger durch als ihre Eltern. Wenn ich mal um 5 Uhr wach bin, genieße ich die Ruhe im Haus und mache total gerne schon Dinge.

    Gefällt mir

    Antwort
  3. Pingback: Unsere Netzhighlights – Woche 31/2014 | Apfelmädchen & sadfsh

Hinterlasse einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s