Einfach mal abschalten?

abschaltenWährend ich neulich mit dem Ziel durch meine Habseligkeiten ging, um 100 Dinge auszusortieren, bestätigte sich, was ich schon länger vermutete – nämlich, dass es im Moment nicht mein physischer Besitz ist, der viel Zeit und Energie in Anspruch nimmt, der aufgeräumt, verstaut und abgestaubt werden will, sondern mein digitales Leben.

Das Internet – Freund oder Feind?

“The internet is both my lifeline and the plastic bag over my head.” sagte Marci Alboher in einem Interview mit Gretchen Rubin. Ich finde das Internet fantastisch. Ich kann mich über jedes beliebige Thema, das mir in den Sinn kommt, im Handumdrehen informieren. Ich bin kein digital native, habe noch nicht einmal ein Smartphone. Ich bin mit einem 24 bändigen Meyer’s Lexikon  und der öffentliche Bibliothek groß geworden.  Auch aus der Bibliothek habe ich schon immer mehr Bücher ausgeliehen, als ich lesen konnte – die Neugier siegte über die Vernunft.

In der ‚realen‘ Welt gibt es Beschränkungen: Öffnungszeiten der Bibliothek und körperliche Kraft zum Nach-Hause-Schleppen von Büchern, die Einträge im Meyer’s Lexikon sind auf weniger Zeilen begrenzt. Das Internet ist grenzenlos und ich kann ich mich nicht nur zu jeder Tages- und Nachtzeit informieren sondern Themen auch aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln heraus betrachten (lassen) – Zeitungsartikel, Blogs, Wikipedia. Wie gesagt, fantastisch. Doch oftmals vertiefe ich mich nicht wirklich in ein Thema, das mich interessiert sondern springe, ähnlich wie ein Grashüpfer, vom Hölzchen aufs Stöckchen.

Was stört mich an meinem Surfstil?

  • Verschwendete Zeit: Ich ärgere mich über die Zeit, die ich ‚verschwendet‘ habe. Denn oftmals öffne ich Artikel in 20 tabs, springe vom einem zum anderen, steige in kein Thema tief ein. Der Lerneffekt ist gering, denn ich verarbeite das, was ich lese nicht wirklich.
  • Erhöhter Stress: Ich setze mich mit dem Ziel vor den Laptop, nur ein paar Minuten zur Entspannung zu lesen. Nach zwei Stunden wache ich mit schmerzendem Rücken aus einer Trance auf  und  fühle ich mich alles andere als erholt. Weil ich Wichtiges nicht erledigt habe oder mich das Surfen im Web eben nicht wirklich entspannt sondern lediglich schnelle Ablenkung bietet.
  • Druck, auf dem Laufenden bleiben zu müssen: Ich war 10 Tage lang (so gut wie) offline. Doch sobald ich wieder online war, sah ich feed reader, e-mail newsletter, facebook, etc durch und holte auf, was ich in der Zwischenzeit auf meinen Lieblingsblogs verpasst hatte. Das kann irgendwie nicht Sinn und Zweck des ‚Medienfastens‘ sein.
  • Angst, das ‚richtige Leben‘  zu verpassen: Klar lerne ich online neue Menschen kennen und lese interessante Geschichte. Dennoch glaube ich, dass sich das wirkliche Leben offline abspielt (sagte ich schon, dass ich kein digital native bin?).
  • Meine Konsummentalität: Andere gehen shoppen, ich hänge mich vor’s Internet und konsumiere. Oftmals bin ich zudem ein unkritischer Konsument dessen, was mir das Netz entgegenträgt. Ich wünsche mir jedoch Flow-Erlebnisse, die ich nicht durch das Tab-Surfen bekomme. Ich möchte meine Zeit (auch) anders verbringen, selbst etwas erschaffen oder etwas erleben.

Der Plan für einen bewussterer Umgang mit Medien

Anfang Juli nahm ich mir (innerlich) vor, eine Art ‚Medienfasten‘ zu machen. Still und heimlich. Doch nicht umsonst stellen sich Blogger und andere Challenges. Ohne Plan klappt es bei mir nicht. Daher nehme ich mir nun das digitale Vereinfachen noch einmal ‚öffentlich‘ bis Ende August vor. Zur Hilfe nehme ich mir dabei Petes vier Methoden zum blewussteren Umgang mit social media und erweitere sie etwas und auf Netz algemein.

Vier Schritte zum bewussteren Umgang mit dem Internet:

  1. Bewusst beobachten: Wann und wofür setze ich mich an den PC? Tue ich das, was ich möchte oder verliere ich mich? Welche sozialen Netzwerke nutze ich ich wie und helfen sie mir, mich mit anderen Menschen zu verbinden? Ist der Blogbeitrag wirklich relevant und interessant für mich oder irgendein Hack, der garnicht zu meinem Leben passt?
  2. Inbox Zero: Ich begrenze das checken meiner E-mail auf 1x Tag (Abends) und ich leere meine Inbox. Ich bestelle Newsletter ab und entferne Blogs, die ich nicht mehr lese, aus feedly. Ich lösche alle Lesezeichen mit Artikeln, die ich ‚lesen sollte‘.
  3. Digitale Diät: Ich werde noch einmal versuchen, eine Woche Abstand vom Web zu nehmen, d.h. mit Zeitbegrenzungen für das Surfen/Lesen/Konsumieren von Inhalten. Ganz auf das Netz verzichte ich an einem Tag in der Woche (Mittwochs).
  4. Blank Slate: Petes letzter Schritt, wenn alles andere nicht hilft: “Blog schließen, Social Media ruhen lassen, kein Instagram, tumblr, Pinterest, Xing, Facebook, Twitter, LinkedIn, keine Mails, keine Posts schreiben. Vom Web fern halten, so lange es nötig ist.“ Ich versuche es erst einmal mit einmal mit den ersten drei Methoden und sehe, wie weit ich damit komme.

Wie macht Ihr das mit dem Netz? Habt Ihr eine gute Balance gefunden aus Konsumieren und Leben? Oder seht Ihr das Netz ganz anders als ich?

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10 Gedanken zu „Einfach mal abschalten?

  1. widerstandistzweckmaessig

    Mir geht es da leider ganz ähnlich, es ist viel zu viel Zeit, die ich hier im Internet verbringe. Vieles, was ich eigentlich auch tun will, bleibt liegen. Manchmal denke ich, das wahre Leben geht so an mir vorbei.

    Ich beobachte noch und versuche über priorisieren weiter zu kommen. Teilweise gelingt es ganz gut.

    lg
    Maria

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    1. Dina Autor

      Das Schöne daran ist ja, dass Du regelmässig auf meinem Blog vorbei schaust und kommentierst :-).
      Vielleicht habe ich Ende August Erkenntnisse für Dich. Lieben Gruß!

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  2. Pingback: einfach mal abschalten – liebevoller leben | Fundstücke aus dem Internet

  3. barbara

    Da ich in keinen sozialen Netzwerken drin bin, fällt der Punkt „social media“ für mich komplett weg. Mein Internetkonsum hält sich – glaub ich – in Grenzen. Ich guck einmal oder zweimal täglich zwei bis drei Nachrichtenseiten durch, scrolle drüber und lese max. ein bis zwei Artikel, die mich interessieren. Dann check ich regelmäßig verschiedene Blogs, denen ich folge und les dann – wenn es mich interessiert – die neuen Einträge. Mails check ich ein bis zweimal pro Tag und wenn es möglich ist, beantworte ich sie auch sofort. Dann ist es erledigt und ich muss nicht ständig dran denken, dass ich noch antworten muss. Da ich sowieso in meinem Job vorm PC sitze, möchte ich das in meiner Freizeit so gut wie möglich vermeiden.
    Ich habe nicht den Eindruck, dass ich was verpassen würde, wenn ich nicht ständig online bin (habe kein Smartphone so dass ich auch unterwegs nicht in Gefahr komme, mich im Internet zu bewegen). Im Gegenteil. Ich glaube, wenn ich ständig online wäre und viel Zeit im Netz verbringen würde, würde ich das echte Leben verpassen. Und das wärs mir nicht wert.
    Beste Grüße!

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    1. Dina Autor

      Liebe Barbara, Hut ab! Es klingt garnicht so als würde es Dir groß schwer fallen, offline zu sein; das bewundere ich wirklich. Genau das Gefühl, welches Du abschliessend beschreibst, also das echte Leben zu verpassen, ist es ja, was mich dazu motiviert, etwas ändern zu wollen. Doch zwischen der Einsicht, dass es mir nicht wert ist und meinem tatsächlichen Verhalten gibt es eine Lücke.
      Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meinen Beitrag zu lesen und zu kommentieren.

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  4. Fräulein im Glück

    Liebe Dina,

    jedes mal wenn ich hier lese, denke ich mir: Schade dass sie nicht in Wien wohnt! Ich würde mich gerne mal mit dir austauschen. In vielen Punkten geht es mir auch bzgl. Internetnutzung genauso wie dir. (übrigens taucht da dann auch wieder die Frage auf: Wie bitte machen es die anderen, die dauernd bloggen, instagrammen, twittern..?)
    Was mich immer ein bisschen erschreckt, wenn abends endlich die langersehnte Ruhe einkehrt, dann zücke ich als erstes mein Handy, einfach zum abschalten statt der Zigarette. Und es fühlt sich nicht wirklich gut an…

    Liebe Grüße!

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    1. Dina Autor

      Zum Glück können wir uns ja zumindest über unsere Blogs austauschen – womit wir bei den positiven Seiten des Internets wären: ich finde es toll toll, jemanden zu finden, der mir aus der Seele schreibt und mit dem ich mich ‚unterhalten‘ kann, auch wenn sie in einer anderen Stadt/einem anderen Land wohnt. Scheinbar bleibt auch bei Dir das Gefühl, dass es ‚besser‘ wäre, dies offline bei einem (Eis-)Kaffee zu tun.
      Wie die Anderen das machen? Immer das Handy in der Hand. Das sehe ich oft genug und merke, dass ich das nicht möchte. Daher bei mir kein smartphone, zur Schadensbegrenzung. Allerdings ist es bei mir dann abends der Laptop/das Tablet/der PC… und der Vergleich zur Zigarette ist ganz passend.

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  5. Tanja Heller

    Mir geht es gerade ähnlich. Hab mir eine Liste gemacht: onlineverbrachte Zeit und auf welchen Seiten ich war. Und Ergebnis, also ob mir das was gebracht hat oder nur sinnlos surfen war. An was kann ich mich abends überhaupt noch erinnern? Wen lese ich wirklich gerne? Die ganzen Blogs sind toll, aber auch zu viel. Ich bin keine Selbstversorgerin und will nicht aussteigen. Beim Plastikfasten bin ich nun auch an den Grenzen, wo ich merke, ich will drüber nicht gehen. Es muss auch in den Alltag passen. Mir reicht es so. Beruflich bin ich auch schon länger überinformiert. Das sind Infos für 3 Leben. Was soll ich damit? Das strengt nur an. Und bringt mir nix. Die Infos im Internet sind breit, aber nicht tief. Ich mag eher die Tiefe und muss Standpunkt beziehen und mich abgrenzen innerlich. Also, ich kann euch gut verstehen.

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    1. Dina Autor

      Liebe Tanja – vielen Dank für Deine Gedanken.
      Das Abgrenzen hast Du schon einmal in einem Kommentar schön beschrieben, und ich kann sehen, wie das in diesen Zusammenhang passt.
      Die fehlende Tiefe ist ein guter Punkt. Ich habe früher sehr viele Bücher gelesen. Ich merke, dass es mir heute schwerer fällt, mich auf Sachbücher zu konzentrieren, weil ich es nicht mehr gewohnt bin, das ein Thema wirklich ausführlich betrachtet wird, obwohl es im Grunde das ist, was ich mir wünsche.
      Ich werde die Liste mal probieren, sie scheint mir ein verlässlicherer Weg zu sein, mein Verhalten zu beobachten als schlicht ’nachdenken‘.
      Danke, dass Du Dir Zeit nimmst, meine Beiträge zu lesen und zu kommentieren. Lieben Gruss, Dina

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  6. Pingback: Chat zum Sonntag, No. 30 – Meyer&Meyer | FindingSustainia. Ideenfabrik.

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