Achtsamkeit mit Kindern üben

In der letzten Woche ging es um drei Fallen für unseren Verstand, in die wir (nicht nur als Eltern) im Alltag mit unseren Kindern schnell fallen. Doch wie kommen wir wieder aus diesen Fallen hinaus?

1) Fühle schöne Momente

Wir sind evolutionär programmiert, auf Gefahr zu schauen. Rebekkah LaDyne erklärt, dass wir früher ständig auf der Hut vor dem Löwen sein mussten, sobald wir morgens aus der Höhle traten. Wer sich stattdessen an den Blumen erfreute, den frass der Löwe zum Frühstück. Durch diese Programmierung ist oft schwer, schöne Momente wirklich zu geniessen. Wir wenden uns ab, bevor wir uns zu glücklich fuehlen.

Heute jedoch schützen uns unsere vier Waende vor wilden Tieren (wo es solche noch gibt). Wenn Du das nächste Mal einen schönen Moment mit Deinem Kind hast, fühle ihn ganz bewusst. Sieh Deinem Kind zu, wenn es vertieft in der Wassermuschel spielt. Was macht es genau? Wie bewegt es seine Hände? Fühle den Wind, der Dir um das Gesicht streicht, oder die Sonne auf Deiner Haut. Nimm alles in Dich auf. Lass die Kamera in der Tasche. Mache ein inneres Bild von dem Moment, forme eine Erinnerung.

2) Sag Stop zum inneren Kritiker

Unser innerer Kritiker ist gnadenlos – er klagt uns für unser Versagen als Eltern an. Der innere Kritiker tut oft so als sei er hilfreich, als würde er uns zu einer besseren Mutter/ einem besseren Vater machen. Doch eine Stimme, die Dir vorwirft, dass Du eine schlechte Mutter oder dass andere Eltern ihr Kind nie so behandelt würden, wenn Du Deinen hohen Ansprüchen nicht gerecht wirst, hilft Dir nicht, Dich weiter zu entwickeln. Sie hilft Dir nicht Geduld und Klarheit zu entwickeln, die Du im Umgang mit Deinen Kindern kultivieren möchtest. Wenn wir unsere inneren Kritiker einfach machen lassen, werden wir früher oder später äusere Kritiker, nörgeln an unseren Kindern oder an unserem Partner herum.

Wenn Du eine kritische Stimme in Deinem inneren vernimmst frage Dich also: Ist dies hilfreich? Wenn nicht, dann gebiete Deinem inneren Kritiker Einhalt. Sag: Stop! oder: Du hast hier nichts zu suchen. oder: Schleich Dich! Sei nicht zimperlich, sondern handele und weise den Kritiker in seine Schranken.

3) Selbstbewusstheit oder Selbstverständnis statt innerer Kritik

Wenn wir dem inneren Kritiker Einhalt gebieten geht nicht darum, sich herauszureden oder sich zu erlauben, bei jeder Gelegenheit auszurasten. Doch negative innere Kritik ist nicht hilfreich. Stattdessen konzentriere Dich auf das, was Du fühlst. Konzentriere Dich auf hilfreiche Stimmen, solche, die sagen: „Ich habe überreagiert. Ich brauche Abstand“

Wenn Du sagst: „Ich fühle mich ziemlich angespannt.“ anstatt „Du bist so eine schlechte Mutter. Ich bin mir sicher, andere Eltern die Du kennst würden ihr Kind nie so behandelt,…“ kultivierst Du Einsicht und Verständnis Dir selbst gegenüber. Du kannst auf die Situation angemessener reagieren. Indem Du eine kleine Pause machst. Tief durchatmest. Dich auf das konzentrierst, was jetzt gerade dran ist. Wenn nicht heute, dann vielleicht beim nächsten Mal.

4) Weitsicht statt Katastrophenfokus

In Stresssituationen mit Kindern neigen wir dazu, einen Tunnelblick zu bekommen. Wir sehen nur noch die Katastrophe, die sich vor unseren Augen ausbreitet und unser Leben zerstört. Ein Kleinkind, dass sich im Supermarkt auf den Boden wirft ist eine schwierige Situation. Für uns selbst, für das Kind, für die Umstehenden. Wir sehen nur noch den Tobsuchtsanfall unseres Kindes, bekommen nichts anderes mehr mit und denken: „Ich kann nie wieder in einen Supermarkt gehen. Dies ist so demütigend. Mein Leben ist vorbei.“

Unser Hirn kann Gefahren nicht gut voneinander unterscheiden. Ein Kind, das sich auf den Boden schmeißt löst neurologisch die gleiche Reaktion aus wie ein Löwe, der auf uns los stürmt. Es gilt, die Perspektive wieder herzustellen, und aus der instinktiven Reaktion (Panik – fliehen oder kämpfen) heraus zukommen.

Weite Deinen Blick. Ja, vor Dir liegt Dein Kind auf dem Fußboden und kreischt. Aber was passiert noch? Da hinten im Gang sieht sich jemand ganz konzentiert die Ketchupflaschen an. Er scheint garnicht zu bemerken, wie Dein Leben hier und jetzt endet. Wie sieht die Decke über Dir aus? Hinter der Fischtecke steht ein Mann und wiegt etwas ab. Drei Leuten starren Dich an. Ist es kalt oder warm dort wo Du stehst? Welche Geräusche hörst Du?

In den derzeitigen Moment zurück zu kommen und zu sehen, was ist, hilft Dir, Deine Perspektive wieder zurecht zu rücken und Dich aus dem Gefühl der Panik herauszuholen. Ja, der Anfall ist ärgerlich, aber er ist nicht lebensbedrohlich. Sobald Du Deine Perspektive wieder hergestellt hast, kannst Du Dich etwas entspannen und, wenn nötig, auch etwas zu tun. In jedem Fall bist Du nicht mehr in der automatischen Reaktion gefangen.

Versuch’s mal. Und schreib mir, wie es war.

P.S. Diese Dinge helfen Dir im Moment, doch langfristig auch verändert Achtsamkeit das Gehirn.

Achtsamkeit im Juni
Fräulein im Glück und Sonja von wertvoll-Blog schreiben an jedem Freitag im Juni über Achtsamkeit und laden uns ein mitzumachen. Falls Ihr auch über Achtsamkeit schreiben wollt, lest mehr über die Idee beim Fräulein.

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5 Gedanken zu „Achtsamkeit mit Kindern üben

  1. happymoe

    Das sind tolle Tipps!
    Ich bin jetzt drei Mal mit meinen Kids an schönen Blumen stehengeblieben und wir haben den Duft genossen.
    Seitdem sieht es morgens so aus: Mama rennt mit Zeitdruck durch die Gegend, dreht sich um und wundert sich, wo die Kinder sind… die stehen weiter hinten an orangenen, rosanen, roten, weißen Tulpen, Rosen, Veilchen und allen sonstigen Blumen und schnuppern daran. Ich muss jedesmal so lachen, dass die Zeit stehenbleibt und jeglicher Stress und Druck von mir abfällt. Jetzt zeigen mir meine Kids wie das mit der Achtsamkeit geht. 😀

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    1. Dina Autor

      Das stimmt – ich bin (glücklicherweise und notgedrungen) achtsamer/präsenter, seit dem ich selbst ein Kind habe. Die Welt mit den Augen der Kinder zu sehen, in denen so vieles ein Wunder ist und so wenig selbstverständlich. Das ist toll, wenn ich es schaffe, mich darauf einzulassen.

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  2. Pingback: Achtsamkeit – Monatsthema Juni | Fundstücke aus dem Internet

  3. kleinwirdgross

    Ich finde auch, dass Kinder einem helfen, wieder mehr im Jetzt zu sein. Und es gibt wirklich nichts schöneres als einem Kind mal wirklich beim intensiven Spiel zuzusehen oder gemeinsam mit ihnen die wunderbare Natur erkunden.

    LG
    Petra

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