Archiv für den Monat März 2014

Panik auf dem Schlachtfeld

Knapp 50 Kleidungsstücke liegen seit einigen Tagen in unserem Schlafzimmer herum. Bei ihrem Anblick überkommt mich ein Gefühl der Panik. Nicht, weil es aussieht als hätte eine Bombe eingeschlagen, sondern weil in wenigen Tagen mein erstes Project333 beginnt. Bis dahin muß ich meine Garderobe auf nur 33 Teile reduzieren, und nun bekomme ich Muffensausen.

Ich habe genügend Gründe, mich auf das Experiment einzulassen – nicht zuletzt einfach Neugier. Der Widerstand ist manchmal so stark, dass man meinen könnte, ich würde meine restlichen Kleidungsstücke davor schützen müssen, auf der Stelle verbrannt zu werden, nicht davor, für drei Monate in Kisten und Tüten aus meinem Blickfeld zu verschwinden.

Meine Hauptängste:

  • Nicht genug – habe ich wirklich genug Auswahl angemessener Kleidung sowohl fuer die Tage mit meinem Energiebuendel auf dem matschigen Spielplatz und fuer den Workshop, den ich für meinen Job besuchen werde? Muss ich noch oefter waschen als ohnehin schon?
  • Die falschen Sachen – nicht alle meine ‚Lieblingssachen‘ sind dabei, was, wenn ich sie vermisse? Was, wenn eine Hitzewelle kommt, oder ein ploetzlicher Kaelteeinbruch? Oder doch ein formelles Abendessen?
  • Zu wenig Farbe – um möglichst viele Kombinationsmöglichkeiten zu haben, habe ich mich auf wenige Farbschemen beschränkt. Wird mir meine Auswahl nicht doch zu düster, jetzt, wo es Frühling wird?*
  • Nicht die richtige Lösung – ich brauche eine persönliche Stylistin und eine komplett neue Ausstattung. Erst dann hätte ich Kleidung, die ich liebe und die mir wirklich gut steht. Denke ich manchmal. Leider sieht es nicht so aus, als ob eines der beiden Dinge in den nächsten drei Monaten passiert.
  • Das nagendes Gefühl, mich selbst um etwas zu betrügen – ist dieses Projekt nur ein anderer Weg, um mir selbst das Leben schwer zu machen? Ich möchte ein Leben in Fülle leben, und mir nichts versagen müssen.

Der letzte Punkt beschäftigt mich am Meisten – ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Minimalismus, und frage mich, ob ich mir durch das Projekt nicht einfach ein Stück Glück vorenthalte. Feel the fear and do it anyway – Project333 ist ein Experiment. Meine anderen Sachen nicht aus der Welt sondern nur einen Karton weit entfernt sind. Sollte ich wirklich etwas brauchen oder vermissen, werde ich darauf zugreifen können. Nun wieder auf in den Kampf; so schwer kann das ja nicht sein.

*Ich stellte auch fest, dass ich eigentlich sehr wenige farbige Kleidungsstücke habe, dafür, dass ich a) Farbe mag und b) sie weit besser an mir aussieht als schwarz oder grau.

Weniger ist mehr? Mein Project333

Wir alle haben das schon gehört – Frauen beklagen sich darüber, dass ihre Garderobe aus allen Nähten platzt und sie doch „nichts anzuziehen“ haben. Ein Duzend blaue Jeans, zahllose Tops, Blusen und T-Shirts, Jacken und über einhundert Paar Schuhe purzeln aus dem Schrank und kein einziges Teil davon möchte frau tragen. Manche meiner Freundinnen haben Kleidung in drei unterschiedlichen Kleidergrößen im Schrank – eine davon passt, die andere nur nach einer strengen Diät, die andere wenn Job oder Beziehung stressiger ist als üblich und nur Schokolade das Leben noch lebenswert macht. Das Project333 will abhelfen.

Als ich das erste Mal vom Project 333 hörte, war ich davon überzeugt, dass ich dies kein Experiment für mich ist. Saisonal gesehen besitze ich ja ohnehin nicht mehr als vielleicht 40 Teile. Die Idee des Projektes ist, eine Garderobe von 33 Teilen für einen Zeitraum von drei Monaten zu tragen. Letztlich ist es ein nagendes Gefühl der Unzufriedenheit, was meinen Kleiderschrank angeht, das mich dazu bewog, mich doch auf das Experiment einzulassen. (Und natürlich habe ich weit mehr als 33 Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank. Bei 70 hörte ich auf zu zählen, da hatte ich Oberbekleidung, Schuhe, anderes Gedöns und Dinge, die ich saisonal weggepackt hatte, noch nicht einmal angesehen.)

Das Grundsätzliche

  • Wann? Alle drei Monate (es ist nie zu spät anzufangen, so dass man jederzeit dazu stoßen kann).
  • Was? 33 Kleidungsstücke, einschließlich Kleidung, Assessoires, Schmuck, Oberbekleidung, und Schuhe)
  • Was nicht? Ehering oder andere Schmuckstücke, die man nie ablegt, Unterwäsche, Schlafanzüge und Nachthemden, „Gammelklamotten“ (die nur zuhause getragen werden) und Sportkleidung (die man allerdings nur zum Sport anziehen darf) werden nicht mitgerechnet.
  • Wie? Suche 33 Kleidungsstücke aus, und packe alle verbleibenden Kleidungsstücke in eine Kiste, verschliesse diese mit Klebeband und verstaue sie außer Sicht.
  • Was noch? Denke daran, eine Garderobe zusammen zu stellen, mit der Du drei Monate lang leben, arbeiten und Spass haben kannst. Dies ist kein Leidensprojekt ist. Wenn Dir Kleidung nicht passt oder in einem schlechten Zustand ist, ersetze sie.
    (übersetzt von hier)

Und warum? 
Sicherlich gibt es so viele Motivationen wie es Teilnehmer an dem Projekt gibt. Manche wollen ihre Gardeobe aussortieren, andere stellen sich gern der Herausforderung.

Nebem meinem nagenden und unbestimmten Gefühl der Unzufriedenheit mit meiner Garderobe…

  • möchte ich jeden Tag etwas tragen, was ich liebe. Die Realität sieht anders aus. Oft trage ich Dinge, die ich ok finde; sie sind „praktisch“ und nicht kaputt. Kleidung, die ich mir neu kaufe, “schone” ich häufig dadurch, dass ich sie wenig trage; Oft habe ich mich an potentiellen Lieblingsteilen satt gesehen, während sie im Schrank hingen. Meine 33 Kleidungsstücke werden Dinge sein, die ich schön finde; hoffentlich bringt mich die geringere Auswahl dazu, sie zu tragen.
  • gibt es ein paar Teile in meiner Garderobe, die ich wenig anziehe. Ich moechte herausfinden, warum diese das Tageslicht so selten erblicken – weil ich sie „schone“, weil sie nicht zu mir passen, weil ich nicht weiß, wie ich sie tragen kann? Ich hoffe, dass ich meine Garderobe besser kennenlernen.
  • möchte ich es mir leicht machen, mich morgens gut und angemessen anzuziehen.
  • wird sich die Kartons und Tüten mit meinen anderen Kleidungsstücken in drei Montaten anfühlen wie ein Warenhaus. Auch wenn ich nicht besonders materialistisch bin habe ich manchmal Lust auf neue Sachen – ich hoffe, dass mir meine Sommergarderobe in drei Monaten eine willkommene Abwechslung bietet, ohne dass ich in den nächstbesten Laden rennen muss.

In wenigen Tagen geht es los – bisher habe ich etwa 45 Kleidungsstücke identifiziert, und es fällt mir erstaunlich schwer, die letzten 12 auszusortieren und einzupacken. Am 1. April geht es los – dann mehr.

 

 

Frühlingsgefühle

03

Die Magnolien blühen schon einige Tage. Ich liebe: schon vor dem ersten Grün die Blüten in der Nachbarschaft zu sehen.

01

An den ersten frühlingshaften Tagen saßen Lieblingsmaus und ich sogar schon auf einer Decke im Park. Ich liebe: den Geruch von Sonnenschein im Kinderhaar.  02

Manchmal bin ich bin leicht glücklich zu machen. Eine Stunde allein mit einem guten Buch und einem warmen Getränk. Ich liebe: Herzen auf dem Kaffee (wie gesagt, manchmal bin ich leicht glücklich zu machen).

04

Am Rande des Spielplatzes aber ganz und garnicht unscheinbar. Ich liebe: diese Farbe!